Deutsch lernen – Wie schafft man es von A1 bis C1 in 35 Wochen?18. August 2026 von

Jasmin in Wangen im Allgäu

Unsere Schülerin Jasmin aus Taiwan ist 15 Jahre alt und besucht gerade einen Deutschkurs der Stufe C1 in Lindenberg. Am Ende des Kurses wird sie in Konstanz die Prüfung telc C1 Hochschule schreiben! In diesem Interview berichtet sie uns, wann sie begonnen hat Deutsch zu lernen und was ihr besonders geholfen hat.

Du bist noch so jung, aber sprichst schon Deutsch auf C1-Niveau. Wie kam es dazu?

Ich war das erste Mal 2023 für einen Deutschkurs in Bad Schussenried. Seit dem ersten Kurs war ich insgesamt drei Mal in Lindenberg und vier Mal in Bad Schussenried und habe insgesamt 34 Wochen Deutschkurs bei Humboldt besucht. Bei jedem Besuch bin ich circa eine Stufe vorangekommen. Die meisten Fortschritte habe ich hier gemacht, denn hier bin ich in einer deutschsprachigen Umgebung und kann jeden Tag sprechen.

In Taiwan bleibt mein Niveau ungefähr gleich. Ich habe einmal pro Woche einen Deutschkurs, das hilft ein bisschen. Außerdem schaue ich die Tagesschau oder schreibe mit Freunden, die ich bei Humboldt kennengelernt habe, natürlich auf Deutsch. Auch Duolingo hilft mir ein bisschen mit dem Wortschatz, aber nicht mit der Grammatik.

Was hilft dir beim Lernen am meisten und gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Kursorten Bad Schussenried und Lindenberg?

Gerade in den höheren Stufen wie B2 und C1 sprechen wir untereinander fast nur Deutsch und lernen so viel voneinander. Das Deutsch kommt quasi von alleine. Wir lernen auch mehr Umgangssprache und können uns so natürlicher ausdrücken. Diese kleinen Veränderungen spürt man auch im Alltag, wenn man merkt, wie die Betreuer und Mitarbeiter miteinander und mit uns sprechen und man wirklich alles versteht!

Ich finde beide Kursorte gleich gut. In Bad Schussenried ist es gerade im Sommer voller und es gibt viele jüngere Schüler, nur manchmal sind sie ein bisschen laut. Dafür ist die Eisdiele in Bad Schussenried besser als in Lindenberg. Für mich gibt es aber kein besser oder schlechter, beide Kursorte gefallen mir sehr gut.

„ Nach dem ersten Sommer in Bad Schussenried habe ich mich in Deutschland verliebt.

Wann hast du angefangen Deutsch zu lernen, mit welcher Motivation und was sagen deine Eltern dazu?
Mein Vater hat mir vorgeschlagen Deutsch zu lernen und nach Deutschland zu gehen. In den Sommerferien hatte ich noch nichts vor und bin dann mit meiner besten Freundin gefahren. Erst war ich etwas skeptisch, aber nach dem ersten Sommer in Bad Schussenried habe ich mich in Deutschland verliebt.

Mit einigen Mitschülern von damals bin ich immer noch in Kontakt. Es war faszinierend, mit so vielen neuen Leuten und anderen Kulturen in Kontakt zu kommen. Auch die entspannte Atmosphäre in Bad Schussenried hat mir sehr gut gefallen. Es ist alles weniger hektisch als zu Hause in Taiwan.

Jetzt im Sommer mag ich es, den Sonnenuntergang zu beobachten. Im Winter, wenn es dunkel ist, finde ich den Sternenhimmel in Bad Schussenried und Lindenberg super schön.

Hier habe ich die Zeit, etwas ruhiger und entspannter zu leben. Einfach draußen zu sitzen und die Natur zu genießen, hilft mir, den Kopf frei zu bekommen. Das ist ein großer Unterschied zum stressigen Bildungssystem in Taiwan und dem Leben in einer Großstadt wie Taipeh.

Was war für dich am schwierigsten beim Deutschlernen?

Ich habe ungefähr einen Monat Privatstunden genommen, bevor ich zum ersten Mal nach Deutschland gekommen bin. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ungefähr ein A1/A2-Niveau. Am Anfang habe ich im Unterricht noch nicht alles verstanden. Das wurde mit einem größeren Wortschatz aber immer besser. Die Vokabeln waren am Anfang die größte Herausforderung für mich. Mit der Grammatik hatte ich dagegen kein Problem. Vielleicht hat mir geholfen, dass ich schon fließend Englisch sprechen konnte.

Gab es den einen Moment, in dem du gemerkt hast: „Jetzt kann ich wirklich Deutsch!“?

Vielleicht im letzten Sommer in Bad Schussenried, als wir das Video „Deutsch lernen in Bad Schussenried“ gedreht haben. Hier waren wir Schüler auf ganz unterschiedlichen Niveaus. Während der Dreharbeiten mit dem Filmteam und den Humboldt-Mitarbeitern habe ich gemerkt, wie gut ich eigentlich schon Deutsch sprechen kann. Auch in der Freizeit hat es sich immer natürlicher angefühlt, Deutsch zu sprechen.

Jetzt in der C1 sind die Themen etwas komplexer und wir lernen viele neue Vokabeln, zum Beispiel wenn wir über Literatur, Kunst, Politik oder Psychologie sprechen. Die Themen werden mit höherem Niveau abwechslungsreicher.

Manchmal passiert mir das sogar zu Hause in Taiwan und ich sage in einer Diskussion „Doch!“ und dann schauen meine taiwanesischen Freunde ganz verwirrt, weil sie natürlich kein Deutsch verstehen. Das kommt einfach ganz natürlich. Manchmal fallen mir auch nur deutsche Vokabeln ein und ich weiß gar nicht, was bestimmte Dinge auf Englisch heißen.

Gibt es neben „doch“ ein anderes deutsches Wort oder einen Ausdruck, den du besonders magst?

„Doch“ finde ich sehr praktisch, weil es im Englischen oder Chinesischen kein vergleichbares Wort gibt. Auch „Zeitgeist“ finde ich sehr interessant, das habe ich in der Schule im Geschichtsunterricht gelernt, um den Zeitgeist einer Epoche zu beschreiben.

Es freut mich immer, wenn mir deutsche Worte im Alltag begegnen. Wenn ich die Worte nicht kenne, versuche ich, mi, deren Bedeutung selbst zu erschließen. Manchmal hilft mir mein Englisch dabei, wenn die Wörter sich ähnlich sind.

Welche Erinnerungen verbindest du mit deinen Kursen?

Bei den HIghlight-Parties am Freitag trifft man immer neue Leute und kommt mit anderen Schülern in Kontakt. Vor zwei Jahren hier in Lindenberg war ich mit einer türkischen Freundin bei den Parties und wir haben viel miteinander getanzt und gesungen. Das hat so viel Spaß gemacht und ich denke gerne daran zurück!

Am schönsten finde ich, wenn ich über die Sprache neue Menschen kennenlernen kann. In Taiwan habe ich zum Beispiel an einem Wettbewerb – die nationale Vorausscheidung zur Deutscholympiade – teilgenommen und dort viele interessante Menschen kennengelernt. In Taiwan gibt es nicht so viele Leute, die Deutsch lernen und die, die es tun, haben viele ähnliche Interessen. Ein Freund von mir durfte dann an der Deutscholympiade 2026 in Mannheim teilnehmen.

Wenn ich eine neue Sprache lerne, habe ich immer das Gefühl, dass ich etwas geschafft habe und das macht mich zufrieden. Ich mag es, neue Ziele zu erreichen. Hier helfen alle einander und wir haben ein gemeinsames Ziel, Deutsch lernen, das ist eine so freundliche Umgebung!

Außerdem sind alle meine Lehrer sehr nett und der Unterricht ist sehr abwechslungsreich.

Glaubst du, dass Sprachen Menschen verändern? Warum?

Mich beeinflusst weniger die Sprache, sondern mehr die Mitschüler, die ich im Unterricht kennenlerne. Alle haben unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Herangehensweisen [Anmerkung: In Lindenberg lernen Schülerinnen und Schüler aus 68 Nationen]. Wenn wir zusammen diskutieren, lerne ich neue Perspektiven kennen und kann Stereotype ablegen. Diese Möglichkeit, die mir die Kurse bei Humboldt bieten, finde ich großartig.

Welchen Rat würdest du anderen Jugendlichen geben, die Deutsch lernen möchten?

Ich glaube, dass es gerade beim Sprechen wichtig ist, dass man einfach spricht. Man soll keine Angst vor Fehlern haben, sogar unsere Lehrer machen manchmal Fehler (lacht). Wenn es um neue Themen und Vokabeln geht, dann übe sie und verwende sie aktiv, damit du sie nicht so schnell vergisst. So machen wir es auch im C1-Unterricht und verwenden neue Ausdrücke wie „sich an die Arbeit machen“ oder „etwas in Angriff nehmen“, damit wir sie schnell in unseren Wortschatz übernehmen. Das gilt auch für neue Konnektoren wie „trotzdem“, „während“ oder „wegen“, gerade im Zusammenhang mit dem Genitiv.

Weißt du schon, was du nach der Schule machen möchtest?

Nach der Schule möchte ich studieren und in der Wissenschaft arbeiten, zum Beispiel in den Bereichen Biologie und Pharmazie. Gerade in diesen Feldern gibt es in Deutschland viele Möglichkeiten. Studiengänge wie z.B. Molekulare Biotechnologie in Heidelberg finde ich sehr spannend! Zusätzlich überlege ich noch eine weitere Sprache zu lernen, vielleicht Italienisch oder Koreanisch.

Vielen Dank für das Interview, Jasmin! Wir wünschen dir viel Erfolg bei deinen Plänen!